Gulaschsuppe mit Polizeischutz

Der Tag geht gut los. Das Fruehstueck ist so nahrhaft wie gesund. Prima.

Die Fruehdienst-Maria von der Rezeption tanzt durch den Fruehstueckssaal. Und jetzt ist Mutti auch wach. Die Augen ganz gross. Die Tattoos vom Knoechel bis unter ihren Rock wecken Interesse und ich bekomme die Frage gestellt, ob die wohl noch weiter nach oben gehen wuerden. Unterm Kleidchen, versteht sich. Ich schlage vor, dass ich meine restlichen Sachen packen gehe und Mutti mal eine Leibesvisitation vornimmt, um abzutasten, wie weit die Koerperbemalung wohl reicht.

Als unsere Zimmertuer aufgeht, bin ich gerade mit dem Zusammenknoten meiner gebrauchten Waeschestuecke fertig. Wir koennen los. Aber Mutti schwebt, in Gedanken versunken, grinsend zum Fenster. Sie winkt den Leuten auf der Strasse noch ein letztes Mal zu und macht ein Foto von der Strassenbahn, die heute nacht immer hin und her gefahren ist.

Als wir auf dem Parkplatz stehen und unsere MoFas satteln, werfen wir noch mal einen Blick auf unser Hotel.

Im Hellen sieht‘s ganz anders aus. Hat aber Charme. Wir muessen trotzdem los.

Nach ca 1h Fahrt sind wir am Ende. Um genau zu sein, am Ende der Strasse. Bauarbeiter versperren uns den Weg. Da faellt mir ein, dass doch ein Schild die Strassensperrung angekuendigt hat. Mutti hat‘s sogar laut vorgelesen. Wir sind ratlos.

Kann mich bitte jemand mitnehmen?

Jetzt muessen wir 45km zurueckfahren. Schlimmer kann’s nicht kommen, denke ich. Der Tag ist gelaufen.

Bei der „Rueckfahrt“ bemerken wir, dass inzwischen wieder nach uns gesucht wird. Es toent aus den Lautsprechern entlang der Dorfstrassen. Flucht strengt an. Und so muessen wir schon bald eine Taverne aufsuchen, um uns zu staerken. Mutti sucht sich den Platz aus … NEIN! Doch nicht direkt hinter dem Polizisten!

Zu spaet. Jetzt ruhig bleiben und nicht auffallen. Geht aber leider in die Hose. Die Bedienung, eine junge Frau, spricht uns in Landessprache an. Als Mutti um englischsprachige Anrede bittet, schiessen ihr Traenen in die Augen. Und sie rennt weg. Ich bin entsetzt. „Wie kannst Du nur? Das arme Maedchen!“

Kurz darauf ist sie wieder da, mit einer teil-ubersetzten Menuekarte. Lautstark gestikulierend versucht sie, die einzelnen Eintraege auf der Karte vorzufuehren. Bis jetzt hat uns der Polizist noch nicht bemerkt. Aber die anderen Gaeste.

Bis eben war‘s proppenvoll. Nur zwei Chopper-Fahrer trauen sich noch ins Lokal. In Gedanken fahre ich schon mal die Fluchtroute ab.

Glueck im Unglueck, der Polizist ist begeistert von den beiden rollenden Fernsehsesseln und tanzt an uns vorbei, ohne uns wahrzunehmen.

Es kann weiter gehen. Um sicher zu gehen, dem eisernen Wuergegriff der Rennleitung zu entkommen, fahren wir unentwegt Halbkreise und auch viele Vollkreise. Standard Rate 1 Turns sind langweilig. Also probieren wir es mit steep turns. Bis wir vor lauter Three-Sixties schon unsere eigenen Hintern sehen koennen. Mir ist ganz schlecht.

Mutti ist gut gelaunt. Aber die hat ja auch meinen Hintern gesehen und nicht ihren.

Bei der Gelegenheit wird die Unterkunft ausgewuerfelt. Der Campingplatz faellt durch, da eine Bestellung auf Englisch nicht moeglich ist. Nach 1h Diskussion haben wir uns endlich geeinigt. Der Bestellvorgang gestaltet sich allerdings schwierig bis abenteuerlich, da es beim Bezahlen immer wieder zu Server Fehlfunktionen kommt. Meine Mastercard raucht derweil. Und die Amex vermeldet eine Belastung. Das wiederum belastet mich. Mir haette ein Zimmer fuer uns naemlich vollkommen gereicht. Jetzt haben wir auf einmal drei, zum Preis von drei.

Ich rufe im Hotel an und erfahre, dass bisher keine Reservierung auf meinen Namen vorliegt. Aber eben gerade sind drei Zimmer weggegangen. Aha. Wir kommen gleich mal vorbei und schauen uns das an.

90min spaeter stehen wir an der Rezeption des Ski-Hotels. Schnee ist aus. Aber Maria ist genau Mutti‘s Typ. Sie wirkt etwas nervoes und verschuechtert. Ich gehe schon mal auf‘s Zimmer, waehrend Mutti den Stundenplan vom Wellness-Bereich aufgezaehlt bekommt. Als ich im ersten OG hinter der Tuer verschwinde, sind sie gerade bei morgen 17:00 angelangt. Ob ich haette sagen sollen, dass es morgen nach dem Fruehstueck weitergeht?

Das Zimmer wurde mit „Bergblick“ beworben.

Egal, darum kuemmern wir uns spaeter. Jetzt erst mal was essen, im bordeigenen Restaurant. Hier ist noch eine Maria. Die ist auch Mutti‘s Typ. Und so merkt Mutti gar nicht, dass die Black Berry Limonade eine Erdbeer-Limo ist. Egal. Hauptsache, es schmeckt. Und zum Schluss arbeitet Mutti noch an der Fuellung fuer Ihre Stuetzstruempfe.

Da sich niemand um mich kuemmert, schubse ich vor lauter Wut absichtlich meine Limo um.

Bei Mutti‘s Abgang beschlaegt‘s Maria 2 die Brillenglaeser. Sie lacht verlegen. Mutti auch, um sich kurz darauf bei Maria 1 an den Tresen zu stellen. Die Restaurant-Rechnung muss zufaellig dort beglichen werden.

Mein Tag ist gelaufen, ich gehe auf‘s Zimmer.

Gute Nacht!


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