Keine Broetchen

Der Tag beginnt fuer Mutti um 00:00. Draussen findet naemlich eine Party statt. Geschaetzt 100 polnische Jugendliche stehen auf unserem Balkon. Zumindest hoert es sich danach an. An Schlaf ist kaum zu denken. Als es dann mal ruhig wird, schleiche ich mich auf die Toilette. 60sec spaeter ist Mutti wach. Der Klodeckel ist der erste seit 5 Tagen, der keine pneumatische Absenkautomatik hat. Das stand nicht dran. Die einzige Information, die ich hatte, war eine Banderole mit der Aufschrift „Zdezynfekowany“. Mich trifft also keine Schuld.

Kurz darauf geht die Party weiter. Ich glaube, ich habe sie alle wieder geweckt. Aber ich uebernehme keine Verantwortung.

Am Morgen sieht Mutti, dass alle Aschenbecher der umliegenden Balkone ueberquellen. Das erklaert auch, warum wir diese Nacht keine Probleme mit Muecken hatten. Die sind alle vor dem Fenster zu Tode gekommen.

Beim Beladen und Verzurren der Mopete wird Mutti von schraeg hinten links angebaggert. Ein netter Endfuenziger steht mit entbloesstem Oberkoerper auf dem Balkon im dritten Stock und ruft Ihr etwas zu. Aber der Wind verblaest alles. Ausserdem kann Mutti ja auch gar kein Polnisch. Jegliche Annaeherungsversuche sind demnach von Vornherein zum Scheitern verurteilt.

Kurz darauf sitzen wir am Fruehstueckstisch. Marika und Dominika flitzen von Tisch zu Tisch, machen aber einen grossen Bogen um uns. Wir sind derweil auf der Suche nach Broetchen. Es sind keine da. Dafuer aber Brotscheiben von ca 10cm Dicke. Auch nicht schlecht. Braucht man nicht so viel Aufschnitt mitnehmen. Man schafft ja sowieso nur eine Scheibe. Aber dafuer gibt es Weihnachtsplaetzchen/ Pfeffernuesse. Die muessen ja auch mal gegessen werden.

Auf einmal stuerzt ein aelterer Herr auf Mutti zu und zeigt ihr sein Handfunkgeraet. Ihre Antwort darauf: „2021“. Was bitte hat das zu bedeuten? Hab ich was verpasst? Anscheinend ja. Und der Kerl zieht mit einem zufriedenen Laecheln ab. Es war der Typ vom Balkon. Mit Oberbekleidung und von dichtem war er zehn Jahre aelter. Und die Frage zur Antwort? Das Baujahr der BMW. Langweilig! Mutti hingegen macht sich ploetzlich Sorgen, ob ihr MoFa bei der Abreise noch da sein wird.

Ich entdecke Spiegeleier to go. Eine tolle Erfindung. Nach meiner Scheibe Brot bin ich aber so satt, dass ich nichts mehr herunterbekomme. Also nehme ich das Spiegelei mit, als Notfallration. Mutti marschiert nach dem Fruehstueck direkt zum Parkplatz. Inzwischen gibt’s auch Broetchen. In mehreren Koerben, sogar in mehreren Etagen.

Ich muss noch meinen Helm holen und auschecken. Mit den Schluesselkarten in der Hand stelle ich mich an die Rezeption. Angieszka telefoniert. Lange. Und ich stehe da, mit meinem Ei in der Hand. Die Leute gucken schon doof. Aber Agnieszka hat Zeit. Zum Glueck hab ich fuer den Versorgungsnotfall vorgesorgt. Geschafft, ich kann endlich raus zu Mutti. Los geht‘s.

Unterwegs treffen wir einen Einheimischen. Er soll ein Foto von uns beiden machen.

Dass wir uns inzwischen so aehnlich sehen, war mir bisher gar nicht aufgefallen. Hmm, irgendetwas ist da schief gelaufen. Mutti muesste doch eigentlich groesser sein, als ich.

In Petrovice, an der Deutsch-Tschechischen Grenze erreichen wir gerade noch unseren Flieger.

Beim Boarding kommen mir allerdings Zweifel, ob die Wahl der Airline nicht haette mit etwas mehr Sorgfalt stattfinden sollen.

Wir nehmen erst einmal Platz.

Als der Pilot 5min nach EOBT immer noch nicht da ist, entscheiden wir uns fuer eine bodengestuetzte Weiterfahrt. Mutti hat naemlich noch einen Termin.

Gerade noch rechtzeitig erreichen wir das Kongresshotel.

Leider taucht die Kursleiterin nicht auf. Mutti ist sehr enttaeuscht. Sie hatte sich schon so lange auf diesen Kurs gefreut. Und meine Pause ist damit auch futsch. Hatte schon ein nettes Café in der Naehe gesehen.

Auf der anderen Seite verschafft uns das etwas Luft, um in dem Lokal vorbeizuschauen, das Mutti vor ein paar Tagen geflutet hatte. Bei dem Versuch, ueber Kopf haengende Tassen mit Kaffee zu befuellen.

Erwartungsgemaess war das schief gegangen. Dabei wurde allerdings fast der gesamte Jahresvorrat an Kaffeebohnen verarbeitet. Als wir ankommen muessen wir feststellen, dass das immer noch Auswirkungen auf den Tagesbetrieb hat. Der Kaffee ist weiterhin knapp. Und so muessen die Gaeste stundenlang auf eine Bedienung warten. Wir uebrigens auch. Aber die Wasserschaeden sind fast vollstaendig behoben. Noch ein wenig neue Farbe. Und alles ist perfekt.

Perfekt ist auch die Lage unseres letzten Hotels.

Gute Nacht


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