Aufgrund der ausgefallenen Vorstellung von gestern, mussten wir heute das Programm von zwei Tagen abarbeiten.

Rueckblende

[GESTERN]

Die Suche nach den Wildpferden steht auf dem Programm und nimmt Juniors volle Konzentration in Anspruch. Wie zu erwarten, wohnen die Tiere nicht in unmittelbarer Naehe zur Hauptstrasse. Sie verziehen sich gerne in hoehere Lagen, wo sie nur von Ortskundigen und Abenteurern gefunden werden koennen und wollen. Wir sind also mit im Boot und haben uns erfolgreich qualifiziert. Als ich hoere, dass es ueber Stock und Stein gehen wird, beschliesse ich kurzfristig, auch ein Pferdefreund zu sein.

Es geht los. Und schon nach wenigen Kilometern verschwindet der Asphalt unter unseren Reifen und macht Platz fuer geschotterte Pisten.

Wir besprechen das Suchmuster und entscheiden uns fuer eine Radartrail Formation. Der Berg ruft. Und wir folgen dem Ruf. 5min spaeter sind die Rufe verhallt. Muddi hat seinen ersten Bock erlegt, direkt am Hang.

Den Koffer hat´s abgerissen. Das Vorderrad sieht etwas verschleimt aus. Das koennte durchaus zum Geschehen beigetragen haben. Muddi tanzt den Vorgang nach oder auch vor. Das koenne wir uns aussuchen. Junior und ich analysieren derweil die Eventkette und kommen zu dem Schluss, dass wir ein mittelschweres bis unloesbares Problem haben. Wir entscheiden uns fuer mittelschwer und teilweise beherrschbar. Zum Glueck ist ihm nix passiert.

Junior hat einen Bachelor in Improvisation. Damit schaffen wir es, den Koffer am Moped festzuboerdeln. Und das obwohl 2 von 3 Haltern abgerissen/abgebrochen sind. Haelt bombenfest und sitzt besser als vorher.

Gut das wir einen kleinen Vorrat an Spanngurten mitgefuehrt haben. Kleine Notiz fuer mich: Jetzt nicht auf die andere Seite fallen. Dafuer reichen die Gurte nicht.

Gefunden. So muessen sich Winnetou und das Halbblut Apanatschi gefuehlt haben. Wir sind uebergluecklich und schliessen Blutsbruederschaft.

Oops, da ist eins umgefallen. Lasst uns mal besser weiterfahren, damit es keinen Aerger gibt.

Den gibt´s aber leider sehr wohl. Denn Muddi hat schon wieder seine Mopete auf die Seite gelegt. Dieses Mal auf die rechte Seite. Die Notiz von vorhin wird wieder gestrichen. In schwierigem Terrain – grober Schotter mit soften Zwischenstuecken und vielen Auswaschungen – sind ihm die Pferde durchgegangen. Das gibt Gelegenheit zur Unterbodenwaesche und Begutachtung des Reifenprofils.

Zum Glueck ist der Koffer noch dran. Und es geht weiter.

Auf dem Rueckweg in die Zivilisation muessen wir noch durch ein ca 1000m langes Schlammbad. Das endet in der Naehe eines Holzlaster, der mitten im Wald parkt und mit frischen Holzstaemmen beladen wird. Fuer drei so Flitzpiepen wie uns faehrt der nicht weg. Also muessen wir dran vorbei. Schlamm und Modder bis zur Radnabe. Wir sehen aus wie Wildschweine auf Teamausflug. Zum Glueck hat sich keiner im Dreck langgemacht. Das schreit nach Waschanlage.

Junior hat auch einen Bachelor in Fahrzeugpflege und verwandelt unsere Muelllaster wieder in ansehnliche Mopeten. Danach ist das Kulturprogramm an der Reihe. Wir fahren nach Mostar, bekannt fuer seine tolle Bruecke in der Altstadt.

Innerhalb von nur 30min schnellt die Temperatur von 14-18° auf satte 30° Celsius. Die Stadt liegt naemlich in einem riesigen Talkessel. Ich bin bedient. Entschaedigt werden wir mit einer phantastischen Unterkunft mit extrem zuvorkommenden Personal. Man traegt uns das Gepaeck auf die Zimmer, begruesst uns mit einem Erfrischungsgetraenk, gibt uns eine Einweisung in die Altstadt, bespricht das Abendessen, das Fruehstueck und die Besichtigungsempfehlungen fuer den naechsten Tag. Ausserem sprechen sie auch alle noch deutsch, extra fuer uns.

Die Zubereitung unseres traditionell zubereiteten Essens dauert circa 2h. Das gibt uns genuegend Zeit, den Schweiss abzuduschen und einmal durch die Altstadt zu marschieren.

Nach dem Abendessen werde ich ueberredet, mich am sozialen Leben zu beteiligen und zum naechstbesten Public Viewing der Fussball-EM geschleift. Das konterkariert den Sinn dieser Expedition. Aber ich spiele mit und qualifiziere mich als Fussballsachverstaendiger.

Das Erstaunen ist gross. Ich prophezeie fuer die Partie GER:SCO ein Spielergebnis von 4:1. Das Gelaechter ist laut, stehen die Germanen doch inzwischen mit einem Spieler mehr auf dem Gruen. Das 5:0 faellt. Ich plaediere sofort auf Abseits. Wieder Gelaechter. Aber ich behalte Recht. Das Tor wird nicht gegeben. Als 3min vor Abpfiff der deutsche Keeper hinter sich sauber machen muss, werden die Augen von Muddi und Junior immer groesser. Ich lasse mich bereits als Experte feiern, da loest sich mein verdienter Ruhm in Wohlgefallen und abermals Gelaechter auf. Ich bin enttaeuscht ob meiner kolossalen Fehleinschaetzung und schlage alle Angebote von ARD, ZDF, EuroSport und RTL aus.

Am Boden zerstoert und vollkommen exhausted gehe ich ins Bett und verschiebe den Tagesbericht auf den naechsten Tag. Genauso wie ich das jetzt fuer heute tue. Der Tag war anstrengend. Ich werde morgen ueber heute berichten. Gute Nacht.

ATTN: Die Navigation wurde geaendert.

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VonVader

3 Gedanken zu „Wilde Pferde“
  1. Hallo ihr Drei
    Nur gut , dass ihr eure Reise -„Missgeschicke „ so beschreibt , dass sie nicht ganz so gravierend rüberkommen!!😳🤔😃
    Mit Geduld und Spucke und gegenseitiger Hilfe schafft ihr wahrscheinlich alles !!👍👍👍
    Man merkt euch an , dass ihr wieder eine ganz besondere Reise macht .
    Der Spaß und die Freude bei euren Urlaubstagen versprüht ihr bis zu uns !!
    So unterschiedlich ihr auch seid, so toll passt ihr zusammen !!
    Macht das bitte weiter so und bleibt gesund !!
    Wir freuen uns schon auf die nächsten Berichte,wo ja bestimmt für uns wieder manches zum Lachen und Schmunzeln dabei sein wird !!!!
    Grüße von Reinhard und Christine

  2. Moin.
    Der Holzlaster muss Euch ja so traumatisiert haben, dass dem Wort „wird“ das „d“ fehlt und die „Radnabe“ ein „r“ zu viel hat!?
    Viele rechthaberisch rechtschreibende Grüße, Mozart.

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