Ich will so sein wie Du

Das erste, was ich von SU heute morgen hoere, sind 11,5 Grad. Kein Super? Ich stelle mich kurz mit Namen vor. „Ich weiss, ich hab‘ Dich heute morgen in meinem Spiegel gesehen.“ kommt als Antwort. Aha. Er ist zuvorkommend und freundlich, manchmal sogar fast witzig.Was so ein „Taubenei“ doch alles bewirken kann. Gruselig ist es trotzdem als wir uns wie Clo(w)n-Schafe beim Fruehstueck gegenuebersitzen. In Gedanken versunken kauen wir an unseren auf Stufe drei getoasteten Toasts mit Apfelsinenmarmelade herum. Ich hasse Apfelsinenmarmelade. Aber diese Information scheint mit dem „Taubenei“ verschwunden zu sein. Das 8min Ei steht bei jedem rechts. Und den Kaffee trinkt Mutti jetzt auch ohne Milch, dafuer mit Zucker.

Genug davon. Ich bitte von weiteren Mitleidsbekundungen abzusehen. Er fuehlt sich prima. Er hat keine Ahnung. Seine Welt ist in Ordnung. Das Opfer bin ich. Allein in Skandinavien, zu zweit. Und mit mir. Ich muss mich den ganzen Tag ertragen. Egal. Durch die OP sind wir jetzt eine Familie.

Das Wetter ist super. Die Wolkendecke ist endlich mal hell. Und da, ja da. Da bahnen sich tatsaechlich Sonnenstrahlen den Weg durch die Wolkendecke. Balsam fuer unsere geschundenen Seelen. Bis zu 19 Grad steigt das Thermometer heute. Die Felder leuchten. Wir fahren in einem Gemaelde von MichelAngelo dem Horizont entgegen. Fehlen nur die Engel. Den Part uebernehmen wir.

Da wir heute Abend wieder zelten, muessen wir noch ein paar Besorgungen machen. Mutti setzt mich in den Einkaufswagen. Und ich zeige einfach auf die Sachen, die ich haben moechte. Prima.

Ich will so sein, wie Du! Mutti erklaert mir, dass ich toll bin, so wie ich bin. Alles ist wie frueher. Dann erreicht mich diese Nachricht von ihm.

Mir kommen die Traenen. Womit habe ich das verdient?

Wir fahren weiter. Ich stelle meinen Tempomaten auf die hoechste in Schweden maximal zugelassene Maximalgeschwindigkeit ein und lasse mich relaxed in den Sitz sinken. Ich beneide SU nicht, der, in Ermangelung einer automatischen Geschwindigkeitsregelanlage, leider selbst Hand anlegen muss. Gerade geniesse ich den ersten alkoholfreien Cocktail, da rast ein MoFa mit unglaublicher Geschwindigkeit an uns vorbei. Es ist die Polizei. Im Vorbeifahren gruesst er freundlich und empfiehlt uns ein nettes Restaurant im Herzen Stockholms. Den Namen haben wir leider nicht richtig verstanden. Deshalb werden wir nachher erst eine Stadtrundfahrt machen muessen, bis wir ein nettes Plaetzchen am Wasser finden.

Doch vorher machen wir noch einen kleinen Abstecher zu „Arsenalen“, einem beruehmten Panzermuseum in Schweden, um fuer meinen panzerverrueckten Sohn ein Souvenir abzuholen.

So, und jetzt noch schoen einpacken. Von dem da drueben nehm ich nur die Kanone mit. Das muss reichen!

Verdammt, geht nicht ab. Aber dafuer zeigt sie jetzt nach unten. Schiessen sollte man damit besser nicht mehr. Besser, wir fahren mal weiter.

Stockholm ist schoen, eine schoene Katastrophe. Aber wir finden einen Platz am Wasser und geniessen das Wetter und die Aussicht auf die Boote.

Im Dunkeln kommen wir auf dem Zeltplatz suedlich von Stockholm an und verkriechen uns in unsere Zelte. Der Tag war wieder sehr anstrengend. Ich kann nicht mehr. Mutti schlaeft seit Stunden.

Gute Nacht!

1 Kommentar

  1. Was ich hier lese, ist ein typischer Verschmelzungsprozess. Ihr beide hockt so viel aufeinander (bitte nicht wörtlich nehmen), dass ihr denkt, ihr wäret eins. Auch der Begriff „Stockholm-Syndrom“ kommt mir beim Lesen eures Textes in den Sinn. Wobei ich mir da grade unsicher bin, wer von euch der Täter und wer das Opfer ist. Darf ich davon ausgehen, dass SU die ersten Nächte nach eurer Rückkehr bei uns mit im Haus übernachtet, damit der Abnabelungsprozess nicht so schwer fällt? Bitte rechtzeitig Bescheid sagen, damit ich vorher noch Sachen packen und verschwinden kann. Denn 4 Männer in meinem Haus wären mir dann doch zu viel. Apropos verschwinden. Ich habe mir überlegt, dass ich auch mal ein paar Tage off mache. Wie klingt das für dich/ euch (ich muss euch jetzt wahrscheinlich schon beide fragen…)? Mich würde es bei den momentanen Temperaturen eher in den Süden ziehen. Aber urlaubsreif bin ich allemal… Die beiden Jungs geben ihr Bestes, mich mit Techi-Talk mürbe zu machen. Ich weigere mich hartnäckig darauf einzusteigen und entlocke ihnen lieber Details aus ihren Beziehungsleben mit anderen Menschen (außerhalb von zu Hause). Ich freue mich über Antworten wie „War gut.“, „Alles ok.“, „Nö.“
    Na gut. Ich kann ja auch mit mir selber sprechen, wenn ich Redebedarf hab‘.

    #planningadventuresbeyoundthenorm#transformingtechisintoblabbermouths#

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