Ledernacken

Um 06:30 bebt die Erde, mein Zelt vibriert! Feueralarm? Nein, war lediglich mein Wecker. Ich lausche in die Nacht und hoere nur das sanfte Rauschen des Windes, das Klappern der Campingplatzfahnen und einen Idioten, der vergebens versucht, seinen Motorroller in Gang zu kriegen. SU scheint noch zu schlafen. Kann ich mich also wieder umdrehen. 2min spaeter bin ich vollends ausgeruht und frisch wie der Morgentau. Heute bin ich mal Erster!

Schnell noch meinen Blogeintrag von gestern checken. Mann weiss ja am Tag danach nie, was da alles so drin steht. Alles ok. Ah, Sa🐝hat wieder geschrieben. Und sie macht sich Sorgen um meine Ernaehrung.

Liebe Sa🐝, Du hast meine missliche Lage erkannt. Aber keine Sorge, ich bin inzwischen wieder gut versorgt. Die Skorbut hat mich hoechstens fuenf Zaehne gekostet. Der kleine Streifzug durch den Supermarkt hat durchaus Fruechte getragen. Ein Riesen-Corny-Riegel mit Bananengeschmack sollte den von Dir befuerchteten Mangel an Vitamin C verhindern. Ausserdem waren wir am Abend lecker essen. Nachdem ich durch die brennenden Zwiebelringe gehechtet, durch Mayo und Ketchup getaucht und ueber gueldene Pommes gesprungen bin, konnte ich nicht mehr. Den gesunden Hauptgang aus hauchduenn geschnittenem argentinischen Angus mit einer Kruste aus Cerealien an Eisbergsalat und anderem frischen Gemuese aus der Region, zusammengehalten von einem vitaminreichen Kleber, bestehend aus E10, E85, Super95, E121, Eiweiss und Spuren vom Nuessen, habe ich beim besten Willen nicht mehr geschafft. Dafuer hab ich ihn mitgenommen und heute morgen zum Fruehstueck verdrueckt. Mmmm, lecker.

Als ich meine Wohnungstuer aufmache, erwartet mich ein Blitzlichtgewitter. Der Blog hat uns beruehmt gemacht. Yippee!

Nein, ist nur SU. Und ich bin wohl doch wieder nur Zweiter. So’n Mist.

Die Nacht war kein Zuckerschlecken. Ich wurde von Wadenkraempfen heimgesucht. Nach 8h noch immer wach liegend, stellte ich eine unangenehme Mindertemperatur im Fuss- und Lendenwirbelsaeulenbereich fest. Mein Entschluss stand fest. Ich muss mir jetzt was anziehen. Mein Merino-Schaf schlaeft aber ausserhalb des Schlafsacks. Also fummele ich mit meinen Zehen von innen am Reissverschluss herum, um den Schlafsack am seitlichen Eingriff zu oeffnen. Diese unvermittelte Bewegung loest leider ganz vermittelt einen mittelschweren Wadenkrampf aus. Stoehnend rolle ich auf dem Bett herum und bemerke nicht, wie ich mich dem Abgrund naehere. Zu spaet, ich falle. Ich versuche, mich im Fallen katzengleich um die eigene Achse zu drehen, um bloss auf den Fuessen zu landen. Mein Leben zieht an meinem geistigen Auge vorbei. Es war ein tolles Leben.

Ich habe Glueck und ueberlebe aufgrund der Drehung den Sturz aus 5cm von der ISO-Matte mit leichten Verletzungen. Nicht ganz einfach im Wurstsaitling. Mit ISO-Norm hat das nix zu tun, kein Gelaender, keine Warnschilder. Der Wadenkrampf ist fort. Dafuer krampft jetzt mein Oberschenkel.

Als ich alles ueberstanden habe klingelt der Wecker und ich haue mich fuer 2min noch mal richtig auf’s Ohr.

Der Tag kann anfangen. SU geniesst die Show!

Hatte ich schon erwaehnt, dass er gestern Abend den Golfrasen ruiniert hat?

Bei der Platzuebergabe an den Vermieter reden wir uns mit dem Versprechen etwas gruene Farbe fuer die Renovierung im Supermarkt holen zu muessen galant heraus und verschwinden.

Wir fahren nur knapp an Vimmerby vorbei. Dort befindet sich der Astrid-Lindgren-Park. Ich habe gebeten und gebettelt. Aber Mutti bleibt hart. Wir haben doch keine Zeit. Im Vorbeifahren sehe ich, wie klein Ida in 55m Hoehe am Fahnenmast haengt, kopfueber. Die urspruenglich zur Befestigung vorgesehene Halskette scheint gerissen. Und sie haengt nur noch am Schluepfergummi. Ich rufe Michel aus Loenneberga zu, dass er sie vorsichtig herablassen soll. Doch er hoert mich nicht, denn die Beiden muessen inzwischen ja weit ueber achtzig sein. Spaeter faellt mir ein, dass Michel auf schwedisch Emil heisst.

Nach ca. 250km machen wir die erste Pause. Das sind mehr Kilometer als ich mit meinem letzten MoFa mit einer Tankfuellung geschafft habe. Aber wird sind in Sicherheit. Da es nur wenige freie Plaetze gibt, muessen wir unsere eigenen Sessel mitbringen.

SU liest den gestrigen Blogeintrag und schreibt sich auf, wie es wirklich war. Ich bekomme meinen eigenen Tisch.

Danach besprechen wir die neuesten Erkenntnisse der Reifenforschung. Ich erklaere SU sehr bildlich den Unterschied zwischen der Ideallinie und einer Banane.

Aber nun zur Frage der Fragen. Wie sieht es mit unseren ledernen Hintern aus? Wir haben eine natuerliche Loesung gefunden. Nein, nicht cremen. Die Idee kam mir unter der Dusche. Wie waere es, wenn wir mal nur Gesicht und Beine rasieren wuerden? Den Rest ueberlasse ich Eurer Phantasie!

Gute Nacht!

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu