Strandsegeln

Guten Morgen, wie angekuendigt, kommt der letzte Post mit einem Tag Verspaetung, da wir gestern vom Planungsziel geringfuegig abgewichen sind.

24 Stunden zuvor
Puenktlich um 06:00 klingelt der Wecker. Der vorletzte Tag der Reise beginnt. Und so sieht das perfekte Eibrot aus.

Auf dem Weg zur Oeresundbruecke bei Malmö kommen wir in Suedschweden vorbei. Unser Freund Kommissar Wallander ist aber leider verhindert, weil er gerade einen neuen Kunden „an Land zieht“. Also lassen wir Ystad links liegen und fahren weiter gen Westen. Von links kommt auch der Wind. Wenn man den Windsaecken glauben darf, kaempfen wir mit boeigen Winden von mehr als 25kt. 3 rote und 2 weisse Ringe, die maximale Anzeigeleistung ist ueberschritten. Das macht keinen Spass. Die Propellerspitzen der Windraeder entlang der Strecke schneiden beinahe mit Ultraschall durch die Luft. Randwirbel loesen sich in lustigen Mustern. Die hin und wieder auftretenden Verdichtungsstoesse erinnern an das Klackern von Kastanietten. Wir werden durchgeschuettelt wie Rag dolls. Nach nur einer Stunde unter diesen Bedingungen haben unsere Koerper gleich drei Choreographien gelernt. Waehrend der Kopf inzwischen fehlerfrei „Ooops, I did it again“ von Britney Spears tanzt, performen unsere elastischen Koerper einen Lionel Richie Song. Der Titel will mir gerade nicht einfallen. Der Rest, von der Huefte abwaerts, ist durch die anspruchsvollste aller Schrittfolgen ueberhaupt beschaeftigt. Die Entspannungsmusik aus dem China-Restaurant.

Derart vorbereitet, starten wir mit besten Voraussetzungen in den Limbo-Wettbewerb, der zufaellig an der naechsten Tankstelle ausgetragen wird. Haushoch ueberlegen, werden wir leider wegen falscher Sportbekleidung disqualifiziert. Schade. Der Versuch die Oeresundbruecke zu fotografieren geht in die Hose, da es keine Aussichtsplattform gibt, weder auf schwedischer noch daenischer Seite. Also geht´s weiter. Inzwischen Richtung Sueden. Entgegen den Erwartungen der Leserschaft, haben wir uns entschieden, die Faehre von Roedby nach Puttgarden zu besteigen.

Beim Warten auf das Boarding tauschen wir mit einem aelteren Motorradfahrerpaerchen aus Norwegen etwas Anglerlatein aus. Die beiden sind 60+ und fahren mit zwei MoFas nach Wismar. Unsere angeregte Unterhaltung wird jaeh vom Pfiff des Einweisers unterbrochen. Er tanzt uns das Boarding-Prozedere vor und marschiert den Taktstab schwingend zwischen den Reihen der Wartenden hindurch. Auf der Faehre ist es dann an uns, herauszufinden, wie die MoFas an die Boardwand angehaengt werden, damit sie nicht umfallen. Zum Glueck geht die Faehre puenktlich ab, so dass wir noch unseren Anschlusszug auf Fehmarn erreichen. Unser naechstes Boot, wartet schon auf uns. Zu meiner Freude handelt es sich um ein Typ205 Tauchboot der Deutschen Bundesmarine. Der Tag ist gerettet.

Ich gehe direkt mal an Bord und bereite alles fuer die Abfahrt vor. Morgen soll es wieder Regen geben. Vorne unten 10, hinten oben 5. Los geht´s.

SU streikt. Notausblasen! Wieder oben. Wir fahren doch mit den Mopeten weiter.

Ziel der heutigen Etappe ist Luebeck. Leider verpassen wir im Tran die richtige Abfahrt. Und so bleibt uns nichts anderes uebrig, als die morgige Tagesration an Kilometern heute schon aufzubrauchen. Ist zum Glueck sehr ueberschaubar, etwa 528km oben drauf. Wir haben erst 550km geschafft heute. Und der Muessiggang auf der Faehre laesst uns dastehen wie Urlauber. Passt. Die Restaurant-Empfehlung von SU´s Sohn wird damit leider obsolet. Wir entscheiden uns, eine Pizzeria in der Naehe unserer Marschroute aufzusuchen. Meine liebe Frau berechnet zu Hause derweil mit Geodreieck, Sextant, Aviat und Rechenschieber, dass die Gesamtstrecke heute bei 1154km liegt. Das kann sich sehen lassen und ist ein wuerdiger Abschluss fuer eine von Rekorden gepraegte Reise rund um die Ostsee.

Wir sind um 06:00 aufgestanden, um 08:00 auf den Bock geklettert und nachts um 01:00 mit einem Grinsen im Gesicht aus dem Sattel gerutscht. Am Ende haben wir 7394,7km auf SU´s Uhr stehen. Auf meiner stehen fast 200km mehr. Das kommt, weil ich morgens immer noch schnell Broetchen holen gefahren bin. Davon hat mein treuer Reisebegleiter aber gar nichts bemerkt.

Haben wir irgendetwas gelernt? Ja, es gibt immer ein naechstes Mal. Und naechstes mal sind die Tagesetappen etwas kuerzer, damit wir mehr durch´s Gemuese fahren und in unseren tollen Helinox Campingstuehlen herumfaulenzen koennen. Hatten wir unnuetzes Zeug dabei? Ja, leider muss ich zugeben, dass der Lenkdrache und das Fernglas nicht zum Einsatz kamen. Auch die Wundcreme fuer den Hintern kam nicht zum Einsatz. Aber das ist auch besser so. Wir haetten es nicht gemocht!

Ein herzliches Dankeschoen schicken wir hiermit an unseren lieben Frauen, die es ausgezeichnet verstanden haben, den Zoo in Schaafheim am Laufen zu halten. Ohne Euch waere das nicht gegangen. Ihr macht was mit uns mit! Danke. Wir haben viel erlebt, viel Spass gehabt und Blut geleckt. Glaubt es oder auch nicht, ich haette mich heute morgen schon wieder auf´s Mofa setzen koennen. Und SU geht´s genauso.

Zu guter letzt will ich noch einmal auf die Frage antworten, ob wir denn nun Helden sind. Die kurze wie auch wissenschaftliche Antwort lautet: JA, WIR SIND HELDEN!

Bis zum naechsten Mal. Gute Nacht!

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