Kurven sind aus

Gestern Abend habe ich mir den Luxus gegoennt, frueh ins Bett zu gehen. Das tat richtig gut. Einmal Nirvana und zurueck. Da wir zum Fruehstueck verabredet sind, das aber erst um 08:30, kann ich endlich mal zu einer humanen Zeit aufstehen und bekomme 8,5h Schlaf. Bisher sind wir immer zwischen 06:00-06:30 aufgestanden. Seit Litauen entspricht das 05:00-05:30 deutscher Zeit. Ich bin ein neuer Mensch.

Heute morgen geht mein erster Blick natuerlich gen Himmel. Grau. Aber es ist trocken. Das ist doch schon mal was.

Um 08:30 treffen wir zufaellig ein deutsches Paerchen. Sie arbeiten beide hier in Rauma an einem Grossprojekt eines franzoesischen Energieversorgers. Noch zufaelliger ist, dass sie auch aus Schaafheim sind. Und ich kenne sie sogar. Es sind unsere Nachbarn Gritt und Marco. Was ein Zufall. Schaafheim ist ueberall.

Und da mein kleiner Sohn darum gebeten hat, dass ich Gritt ganz doll von ihm druecke, tue ich das und druecke sie ganz doll von ihm. Wir tauschen etwas Klatsch und Tratsch aus.

Und kaum dass wir warm geworden sind, beginnt SU, den Minutenzeiger vorzudrehen. “ Dann wollen wir jetzt mal.“, „Wir muessen los.“, „Wir haben noch was vor uns.“
Das geht mir auf den Zeiger! „Ja Mutti!“

Wegen der spaeten Abfahrtzeit, es ist schon 10:00, bleiben wir heute auf der Europastrasse. Wie an einer Schnur gezogen laeuft die Strasse ohne jegliche Biegungen von Sued nach Nord. Kurven waren aus. Es geht nuuuuur geradeaus. Dafuer ist noch Wasser da. Heute allerdings mal nicht auf der Strasse.
Angenehm will es trotzdem nicht werden. Die Temperaturen bleiben bei geschlossener Wolkendecke nur knapp im zweistelligen Bereich. Die Griffheizung verbraucht 3L/100km, die Sitzheizung auch noch mal. Sind 6L/100km. Der Gesamtverbrauch hat sich inzwischen bei ca 5,5L/100km. Wenn ich also ohne Heizung auskaeme, wuerde ich am Ende noch was rauskriegen. Wow!

Den „Point of no return“ haben wir heute morgen mit unserer Abreise aus Rauma ueberschritten. SU wollte noch ein Foto davon machen. Aber da war nix zu sehen. Ab jetzt ist eine Umkehr also nicht mehr moeglich. Wir muessen das durchziehen. Der Sprit wuerde auch gar nicht fuer den Rueckweg reichen. Laut Inge haben wir schon 3911km geschafft.

8h und 420km spaeter, bei unserer Ankunft im Hotel nahe Kalajoki, muss ich zu meinem Erstaunen feststellen, dass SU mal wieder ein glueckliches Haendchen hatte. Zimmer mit guten 6m Fensterfront zum Meer und einer eingeglasten Terrasse mit Heizstrahlern und Korbmoebeln.

Was will man mehr? Eine warme Dusche vielleicht. Also erst mal alle Klamotten fallen lassen und noch einen Blick auf’s Meer werfen. Die Bude ist wegen der Foto-Session noch hell erleuchtet. Und draussen marschieren in ca 50m Entfernung zwei Frauen in Laufkleidung auf einem hoelzernen Steg durch die zum Strand hin abfallenden Duenen. Den Weg hatte ich vorher noch gar nicht bemerkt. Und warum schauen die so interessiert hoch? Achso, die koennen mich sehen. Egal. Moment, da war doch was. Achso, ich hab ja gar nix mehr an. Oooops. Na jetzt sind sie vorbei. Ab in die Dusche.
Als ich wieder aus der Dusche komme, loesen sich die Fliesen wie das bunte Laub der Baeume im lauen Herbstwind und gleiten in sanften Pendelbewegungen zu Boden. Nein, das stimmt natuerlich nicht, aber es liest sich gut.

Gegessen wird heute ausserhalb, da das Hotel alles verfuegbare Geld der Investoren in die Zimmer und das Meer gesteckt hat. Fuer ein Restaurant war keines mehr uebrig. Aber vor dem Vergnuegen kommt die Arbeit. Wir muessen laufen, weit, sehr weit. SU kann es natuerlich gar nicht weit genug sein. Also machen wir noch einen Familienausflug zum Strand.

Ich nutze die Gelegenheit fuer ein kleines Bad in der Ostsee, waehrend „Mutti“ mir geduldig zuschaut. Wer kann schon behaupten, dass er so weit im Norden bereits mal baden war.

Wir laufen auf einer schmalen Sandbank gefuehlte 10km ins Meer hinein, umgeben von Wassermassen.

Auf dem Rueckweg fasse ich mir ein Herz und erzaehle „Mutti“ die Wahrheit ueber den Waschbaeren. Keine gute Idee.

Das ist das Ergebnis. War schoen mit Dir, „Mutti“. Aber jetzt muss ich weg. Ich stell noch ein Schild auf „Bitte nicht drauftreten! Liegenlassen!“. Dann gehe ich zum Abendessen. Morgen wird wohl ein recht stiller Tag werden.

Gute Nacht!

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