Notarzt, 3x bitte

St. Tropez, 07:00, wir satteln die Pferde. Der Vermieter der mich und Junior fuer ein schwules Paar gehalten und Muddi als lesbisch eingestuft hat, verabschiedet uns ganz herzlich. Mit einem Schmunzeln im Gesicht. Ich bin mir nicht sicher, ob er verstanden hat oder ueberhaupt verstehen wollte, dass wir nicht untereinander verheiratet sind.

Wir holen uns les baguettes am Markt und werden direkt fuer eine Filmproduktion gecastet, die gerade dort stattfindet. Da Junior sich aber nicht die Haare gemacht hat („Ich sehe immer toll aus!“), fallen wir leider durch‘s Raster. Ausserdem hat er heimlich versucht, Fotos zu schiessen. Wir mussten dann leider schnell weg.

Zuflucht finden wir zwei Strassen weiter bei der „Gendarmerie Nationale“. Den erwachsenen Lesern mag das in Zusammenhang mit St.Tropez noch ein Begriff sein.

Hier sind Louis de Funes und Michel Galabru zur Arbeit gegangen! Leider waren wir ausserhalb der Bewerbungszeiten da. Sonst haetten wir vielleicht die Moeglichkeit bekommen, unserem Leben noch eine positive Wendung zu geben und etwas Vernuenftiges zu lernen.

Aber erst mal geht‘s ganz nach oben. Die Belohnung, fast 3000m ueber dem Meeresspiegel. Duenne Luft und Nebel bei 2 Grad. Wasser zum Trinken, direkt aus der Luft. Ohne Becher, ohne nasse Haende.

2m tiefer ein toller Ausblick. Wir sind die Koenige der Welt.

Zwei Stunden spaeter, mir tropft schon seit 01h59m der Zahn, halten wir endlich an, um Fruehstuckspause zu machen. Wird auch langsam Zeit. Der Kaese auf meinem Baguette bekommt naemlich schon Bart. Gemuetlich stopfen wir uns den Bauch und dann …

… dann beendet Muddi die Pause und schubst ihre Mopete aus dem Stand um.

 

Einen Notarzt bitte! ACHTUNG!!! Das ist keine Uebung! Einen Notarzt bitte!

 

Muddi liegt bestimmt noch darunter.

Ach nee, da iss sie ja. Zum Glueck unversehrt. Beatmungsversuche hat Muddi trotz des dringenden aerztlichen Rates der Notfallmediziner Dr. Soein und Dr. S. Ch. Eiss (Namen von der Redaktion geaendert) energisch abgelehnt.

Und dann heisst‘s immer, dass ich alles kaputt kriege. Gemeinsam heben wir die Mopete auf. Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Und das MoFa auch nicht! Nicht mal ein Kratzer. Muddi kriegt anscheinend nix kaputt.

Dann kann‘s ja weiter gehen.  Gemuetlich cruisen wir ueber die Landstrasse. Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Und so bemerke ich nicht, dass eine wassermelonengrosse Honigbiene in meinen Helm fliegt.

Quelle: VET-Magazin.com

Das Bild zeigt das Tier stark verkleinert! Ich weiss nicht, dass es eine Biene ist. Und ich weiss nicht, dass sie in meinem Helm ist. Sie weiss nicht, das ich gegen das Bienensterben bin. Und sie weiss nicht, wo der Ausgang ist. Folgerichtig aber trotzdem tragisch ergibt sich eine ausweglose Situation fuer uns beide. Ich werde gestochen. Dahin, wo es richtig AUA ist, in mein Doppelkinn. Verdammt.

Waehrend ich und die Biene am Strassenrand um unsere Leben kaempfen, entschwinden Muddi und Junior hinterm Horizont. War schoen Euch kennengelernt zu haben. Hier ist die Reise zu Ende. Ich suche mir einen Parkplatz, um sicherzustellen, dass keiner ueber meinen leblosen Koerper faehrt und nehme vorsichtig und noch vollkommen im Dunkeln tappend meinen Helm ab. Verschwommen erkenne ich die Umrisse des Untiers, dass noch immer regungslos im Kinnteil meines Helms lauert. Ich bin geliefert.

 

Einen Notarzt bitte! ACHTUNG!!! Das ist keine Uebung! Einen Notarzt bitte!

 

In der Ferne hoere ich die Rotorblaetter des Rettungshubschraubers. Rettung naht. Leider spielt mir mein eingetruebtes Bewusstsein einen boesen Streich. Es sind nur Muddi und der Kleine. Das wird boese enden! Als ich wieder zu mir komme schicken sich Dr. K. Eine & Dr. A. H. Nung gerade an, mit der Pinzette an mir herumzudoktorn und wollen danach die Wunde auszusaugen. Bitte nicht! Ich glaube, ich traeume. Aber ich bin gerettet.

Kurze Zeit spaeter stossen wir mit einem Kaeffchen auf meine Rettung an.

Also wir alle drei. Allerdings sieht Muddi so aus, als ueberlege sie, ob das mit der Rettung so ne gute Idee war. 😉

Weiter geht‘s. Und jetzt erst einmal bergab. Wir naehern uns langsam einer groesseren MoFa-Gruppe, als ich mit groesster Verwunderung feststellen muss, dass meine Hinterradbremse nicht mehr da ist. Nach ein paar mal pumpen baut sich wieder etwas Druck auf. Aber besser erst mal an die Seite ran.

 

Einen Notarzt bitte! ACHTUNG!!! Das ist keine Uebung! Einen Notarzt bitte!

 

Der Bremszylinder an der Hinterradbremse tropft. Das schwarze Gold will raus. Zu meinem Leidwesen, da wir auf der Tour noch die Asietta Kammstrasse einbauen wollten, eine 35km lange Schotterpiste. Und dafuer braucht man auf jeden Fall ne Hinterradbremse! Ein Schraubendoktor ist leider nicht zur Stelle. Also fahren wir zur Notaufnahme in den naechsten Ort. Die aeltere Dame erklaert uns auf Franzoesisch, dass in dem Laden keine Motorraeder mehr behandelt werden. Die KTM Leuchtreklame prangt noch stolz an der Fassade. Aber das Licht bleibt aus. Ein Anruf beim Haendler meines Vertrauens bringt die traurige Gewissheit, dass  nur ein kuenstliches Hueftgelenk Abhilfe schaffen kann. Reparatur der schadhaften Stelle nur durch Ersatz moeglich! Dafuer aber wohl auf Garantie. Na wenigstens was.

Weiter geht‘s. Wir haben doch keine Zeit. Und deshalb fahre ich jetzt mal ein bisschen vorne weg. Die letzten 70km bis zu unserer heutigen Bleibe vergehen wie im Fluge. Kein Wunder ohne Bremse. 😉

Wir schleppen uns in das einzige geoeffnete Restaurant im Ort, eine kleine Pizzeria und bestellen erwartungsfroh unser Essen. Ich bestelle die Nr.1, gibt‘s nicht. Dann eben den Burger, gibt’s auch nicht. Junior die Nr.13, gibt‘s auch nicht. Einzig Muddi schafft es, auf Anhieb ein Gericht aus dem Essens-Roulette zu waehlen, dass tatsaechlich zubereitet werden kann. Waehrend wir zwei anderen hastig die Karte studieren, amuesiert sich der Garcon darueber, dass wir sowieso nicht verstehen, was auf der Karte steht. Also bestellen wir einfach irgendwas. Irgendwas kommt dann auch. Und ausser Muddi weiss niemand, was er bestellt hat. Muddi kauft ein „E“ und moechte loesen. Jackpot! Alle haben ihr Essen. Los geht‘s. Schmeckt.

Der Tag ist zu Ende und wir rollen zurueck ins Hotel. Leider nicht schnell genug, weil Junior seine Liebe zur Tierfotografie entdeckt.

Grasshopper

Wildschweingrosse Gottesanbeterin

Riesenspinne

Rennschnecke

 

Die Muedigkeit hat uns eingeholt.

Gute Nacht

 

 

2 Kommentare

    • Urban, christine on 27/09/2019 at 15:02
    • Antworten

    Nun sind wir aber froh, dass euere Family am 26.09. doch noch irgendwie ins Hotel gekommen ist und dass dieser Tag keine 27 Stunden hatte !!!!!😳😉👍😀
    Kommt alle drei gut nach Hause !👍
    Lg

  1. Oh, Ihr wart beim Louis!! Wie schade, dass man euch nicht gecastet hat. Ok, von der Sprache her hätte es nicht gepasst, aber von der Körpergröße schon 😜.
    Das Bild davon, wie Muddi u Junior im Wechsel an deinem behaarten (Doppel)Kinn das Bienengift ausschlürfen, kriege ich jetzt nicht mehr aus dem Kopf. Und ich bewundere die beiden, wie sie tapfer um dein Leben gekämpft haben trotz augenscheinlich fast unüberwindbarer Hürden. Damit habt Ihr Eure 3er-Beziehung auf das nächste Level gehoben.
    Interessant allerdings, dass dich die beiden just in dem Moment, wo deine Bremse nicht mehr geht, vorne weg fahren lassen. So nach dem Motto: dann kann er mir nicht hinten reinfahren… Da würd ich mal drüber nachdenken 😉.
    Und ja: eure Muddi ist wirklich ein Glücksschwein, wie du immer sagst. Wenn dein Moped umgefallen wäre, wäre es garantiert mindestens ein Totalschaden geworden… 😅
    In diesem Sinne gute Rückfahrt. Sonntag soll es stürmisch werden hier… Vlt habt Ihr Glück und kommt vorher an.

    #endlichweekend#chillingoutloud#

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