DDR ist ueberall

Um 06:30 weckt Muddi den Hahn und geht dann duschen. Das wiederum ruf den Kleinen auf den Plan, der sofort wach ist und beschaeftigt werden will.
Ich bin noch muede vom naechtlichen Bloggen und versuche, mich schlafend zu stellen.

– „Ich geh erst mal duschen! Du kannst ja noch liegen bleiben!!“

– Ja. Danke.

Auf einmal geht das grosse Licht an.

– „Stoert das?“

– Nein, Danke.

DIE Nacht ist vorbei. Heute soll prima Wetter werden. Die Front ist durch. Hat Muddi gesagt. Ich mach das Fenster auf, und der Regen peitscht mir ins Gesicht. Die unten parkenden Motorraeder sind kaum zu erkennen. Lufttemperatur ca 12 Grad, Wassertemperatur ca 5 Grad. Ja, das koennte klappen.

Gemuetlich starten wir in den Tag. Muddi geht schon mal vor zum Fruehstuecksbuffet und setzt alle Asiaten einzeln in ihren Reisebus. Als wir unten ankommen, ist‘s leer. Die Brote sind geschmiert. Und Muddi nippt gedankenversunken an ihrem Kaeffchen.

Heute sind wir schlau und starten direkt mit Ueberzieher. Wir verlassen die Vogesen und beginnen mit unserem Jura-Studium. So heisst naemlich das Gebirge hier.

Wir ERFAHREN die Bedeutung des Jura Zeitalters fuer die Entwicklung motorisierter Zweiraeder. Was uns jedoch verborgen bleibt, ist die juristische Einordnung und strafrechtliche Relevanz der Lieblingsbeschaeftigung der Einheimischen. Mit grossem Eifer sind sie darum bemueht, jede Strasse, alt oder neu, mit Split, Sand oder Kuhscheisse zu beschmieren. Vorzugsweise in den Kurven.

Waehrend in Deutschland schon handtellergrosse mit Split ausgebesserte Stellen die Aufstellung eines Gefahrenschildes und Einrichtung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50km/h zur Folge haben, faehrt man hier in Frankreich ohne Vorwarnung in 25cm tiefe Splitschuettungen. Vorzugsweise bergab und vor Kurven. Meine Kloetzchenreifen graben sich so tief ein, dass das Mofa von allein stehen bleibt, waehrend die anderen beiden oben aufschwimmen.

Dieser Beitrag wurde finanziert durch Produktplatzierung. 😉

Das Ueberraschungsei muss auf der heutigen Etappe 3x an die Tankstelle. Davon gibt es hier jedoch recht wenige. Und wir nehmen, was wir kriegen koennen. Die Suche gestaltet sich schwierig.

Wir sind naemlich im entlegensten Winkel des Landes. Die Zeit ist hier stehen geblieben. Selbst in der DDR der spaeten achtziger Jahre, haetten diese Doerfer am Wettbewerb um die Auszeichnung „Schoenes Dorf“ nicht einmal teilnehmen duerfen. Zu diesen Orten fuehren nur Strassen, die zuletzt von den Partisanen im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen die Deutschen benutzt wurden. Zum Glueck finden wir doch eine Tanke, sogar eine, die 24/7 geoeffnet hat.

Geschlossen. Kein Sprit vor 14:00. Es ist 13:30. Wir muessen weiter.

Der Rest der Fahrt ist eine endlose Aneinanderreihung von Kurven, bei wechselnden Strassenbedingungen. Die Temperaturen haben sich langsam nach oben bewegt. Und die Strassen sind seit dem Mittag ueberwiegend trocken. Drei Tankpausen. Zwei Kurzstopps. Nach nur elf Stunden ist der heutige Ritt vorbei.

Im Lokal um die Ecke freue ich mich tierisch auf meine Spare Ribs. Der Kleine auch. Er testet seine Sprachkenntnisse und bestellt auf franzoesisch. Das Ergebnis ist ernuechternd.

Nein, das war, bevor ich mit dem Essen angefangen habe. Nein, das sind Spare Ribs.

Zur Ehrenrettung des Kochs muss man sagen, dass es sich tatsaechlich um das richtige Fleisch gehandelt hat. Es hat auch geschmeckt wie Spare Ribs,  allerdings ohne Ribs. Nur Spare eben. Wahrscheinlich ist es bei den Erfindern des Essens verpoehnt, die Finger zu benutzen. Deshalb muss und darf man nicht selber pulen. Aber Essen war noch erlaubt. Dumm nur, das das Essen schon weg war, als der Magen gemerkt hatte, was es denn ueberhaupt sein soll.

Muddi hatte sich einen Salat bestellt und fing gerade an, sich mit dem Essen anzufreunden.

Leider war die Kommunikation sehr einseitig. Dennoch haben wir ihr einen Herzenswunsch erfuellt und noch ein Foto fuer‘s Familienalbum geschossen.

Best friends forever.

 

Gute Nacht!

 

 

2 Kommentare

    • Urban, Christine on 24/09/2019 at 12:56
    • Antworten

    Hallo ihr drei unerschrockenen Motorradfahrer!!
    Es ist so cool eure Berichte zulesen, zu beschmunzeln und zu genießen!!
    Weiterhin viel Spaß und geniale Weiterreise 👍
    Und hört immer schön auf Muddi!🤔😂

  1. Ich finde auch, Ihr solltet auf Muddi hören. Sie ist mit Abstand die vernünftigste Marathonbikerin von euch 3. Wo war eigentlich euer Kind heute, hab‘ ihn auf den Bildern gar nicht gesehen? Wahrscheinlich ist er immer UNTER der Kamera durchgelaufen 😂.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu