Chef sein- besser kurz, als nie

Der Tag beginnt um 07:13. Heute muessen wir puenktlich sein, weil die Faehre nicht auf uns warten wird. Ausnahmsweise packt SB sein MoFa schon vor dem Fruehstueck. Das wiederum faellt so ueppig aus, dass ich fuer 4 essen kann. Damit das nicht auffaellt, wechsele ich immer wieder den Sitzplatz. Cheerio, Miss Sophie! Unsere Gastgeberin merkt‘s trotzdem und grinst sich eins.

Ich sitze am Kopf der Tafel. Also bin ich der Chef. Die Rolle steht mir ausgezeichnet. Mein Volk ist zufrieden.


War das eben auch schon da?

Hier, auf diesem Platz, schmeckt’s ganz anders!

Toll.

Ich glaub, ich hab‘s etwas uebertrieben. Mein Volk hat aufbegehrt und mich entmachtet. Jetzt muss ich ganz am Ende sitzen.

Genau nach Zeitplan sind wir abfahrbereit. Kann losgehen.

Aber nicht bevor wir noch den Landy fotografiert haben.

Das Wetter ist super. Allerdings kommt von Westen eine Schlechtwetterfront, die uns vor sich her treibt. Bummeln ist also nicht drin. Trotzdem erlaubt SU sich einen boesen Scherz und trickst mich aus. In einem Kreisverkehr taeuscht er links an und faehrt dann doch im Kreis weiter. Die linke Fussraste bereits am Asphalt, spuckt mich der Kreisel aus. Wenden nicht moeglich! Also fahre ich bis zum naechsten Roundabout und verliere SU und SB aus den Augen. Als ich zurueck komme, ist der Kreisel leer. Oh mein Gott. Ich bin allein. Ich weiss nicht, wo ich bin. Ich kann die Landessprache nicht. Keiner kennt mich. Keiner weiss, wo er mich abgeben muss. Ich bin ein Aussaetziger, verstossen von der Gesellschaft. Ich werde den Rest meines Lebens in diesem Kreisverkehr wohnen. Es war ein schoenes Leben. Schluchz.

Ich fasse mich. Geistesgegenwaertig und abgeklaert ueberpruefe ich mit meinem Positionsortungsgeraet den aktuellen Aufenthaltsort der beiden Fluechtigen. Sie muessen sich zu Tode aengstigen, ohne mich. Denn ich gebe ihnen Halt. Das iPhone lokalisiert sie nur einen Kreisverkehr entfernt. Dort kauern sie orientierungslos am Strassenrand und warten auf Rettung. Ich komme schon. Hilfe naht. Es ist zum Glueck nichts passiert. Dumm nur, dass das Wetter diese Verzoegerung genutzt hat, um aufzuholen. Weiter geht‘s. Nur um kurze Zeit spaeter schon wieder von SU reingelegt zu werden. Oh Mann. Beim ersten mal war’s ja noch lustig. Aber jetzt? Wir haben doch keine Zeit!

Ab nun keine Maetzchen mehr. Wir biegen ab … und stehen vor einem riesigen Schild, das darauf hinweist, dass die Strasse in nur wenigen Meilen komplett gesperrt sein wird. SU bekaspert in seiner Funktion als Routing-Beauftragter den weiteren Streckenverlauf mit SB. Sie kommen zu einer erstaunlichen Entscheidung. Wir fahren auf dieser Strasse weiter. Das wird kein gutes Ende nehmen. Alle 500 yards steht ein Schild am Rand, das ueber die Sperrung informiert. Roter Hintergrund, weisse Schrift. Allerdings nicht so gross, hoechstens 2x1m. Kann mann schon mal uebersehen, 10 mal. Und tatsaechlich ist die Strasse dann irgendwann gesperrt. Wer haett’s gedacht? Das kam jetzt unerwartet. Ein U-Turn loest das Problem und wir fahren wieder zurueck. Hatte ich erwaehnt, dass wir etwas unter Zeitdruck stehen?

Der Rest der Fahrt ist ereignislos. Die Strassen Nordenglands koennen es einfach nicht mit den Highlands aufnehmen. Zwar faehrt man hier inmitten von gruenen Wiesen, gesaeumt von Hecken und Steinwaellen. Aber es ist zu viel Verkehr unterwegs. Und die Abstaende zwischen den Ortschaften sind zu kurz. Einfach gesagt, hier ist zu viel Zivilisation.

An der Faehre achten wir dieses mal darauf, SB nicht zu verlieren. Kein leichtes Unterfangen. Er will schon wieder Kaffee holen gehen. An Bord richten wir uns haeuslich ein und tapezieren schnell unsere Commodore Suite.

Danach sind wir leicht verschwitzt und erfrischen uns, einzeln und nacheinander, mit einer Dusche. SU kommt mit Jeans aus dem Bad. Er hat mit Hose geduscht. Als ich mich unter die Dusche stelle, weiss ich auch warum. Das Wasser ist eiskalt. Da haette ich mir auch was angezogen. Aber ich kenne einen Trick und stelle das Wasser auf warm. Super. Allerdings gibt es noch ein weiteres Problem. Anscheinend hat unser Boot bergauf geparkt. Das Wasser fliesst mit grosser Geschwindigkeit in Richtung Tal. Ich muss mich festhalten, um nicht fortgespuelt zu werden.

Passt!

Auf der oberen Couch duerfen maximal 3 Personen sitzen. Mindestens zwei davon muessen angeschnallt sein!

Wir machen schnell noch unseren obligatorischen Sicherheitscheck.

Aufmachen! Polizei!

Der Letzte macht das Licht aus, hat meine Mama immer gesagt. Also mache ich das Licht aus. Drei mal. Kann losgehen, jetzt.

Und dann geht‘s schlafen. Morgen gibt‘s hoffentlich Fruehstueck ans Bett.

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